Der Kontowechsel gilt als lästig — und genau diese Annahme kostet Millionen Menschen in Deutschland jedes Jahr Geld. Tatsächlich hat der Gesetzgeber den Wechsel 2016 grundlegend vereinfacht: Seit dem Zahlungskontengesetz muss die neue Bank den gesamten Umzug organisieren, und zwar binnen einer gesetzlich festgelegten Frist. Ihr Aufwand beschränkt sich in der Regel auf zwei Unterschriften.
Wie lange dauert ein Kontowechsel?
Maximal zwölf Geschäftstage, gesetzlich vorgeschrieben. Nach § 21 ff. Zahlungskontengesetz muss die neue Bank den Wechsel innerhalb dieser Frist abschließen, sobald Sie die Ermächtigung erteilt haben. Die Kontoeröffnung selbst dauert online meist 10 bis 15 Minuten inklusive Videolegitimation. Rechnen Sie realistisch mit zwei bis drei Wochen vom Entschluss bis zum vollständig umgezogenen Zahlungsverkehr — die meiste Zeit davon warten Sie, nicht Sie arbeiten.
Was macht der gesetzliche Kontowechselservice?
Die neue Bank übernimmt auf Ihren Auftrag hin folgende Schritte, ohne dass Sie sie einzeln anstoßen müssen:
- Bestandsaufnahme: Die alte Bank übermittelt eine Liste aller Daueraufträge, Lastschriftmandate und wiederkehrenden Eingänge der letzten 13 Monate.
- Übertragung: Daueraufträge werden auf dem neuen Konto eingerichtet.
- Benachrichtigung: Zahlungspartner wie Arbeitgeber, Versicherungen, Vermieter und Stromanbieter werden über die neue Kontoverbindung informiert.
- Restguthaben: Auf Wunsch wird das verbleibende Guthaben übertragen.
- Kündigung: Ebenfalls auf Wunsch wird das alte Konto geschlossen.
Der Service ist gesetzlich verpflichtend und für Sie kostenlos. Banken dürfen dafür kein Entgelt verlangen. Viele Institute bieten zusätzlich einen digitalen, weitgehend automatisierten Wechselservice an — bei der norisbank ist dessen Nutzung sogar Bedingung für die volle Wechselprämie.
Was muss ich beim Girokonto-Wechsel selbst umstellen?
Der Kontowechselservice deckt viel ab, aber nicht alles. Diese Punkte bleiben an Ihnen hängen:
| Aufgabe | Kontowechselservice | Sie selbst |
|---|---|---|
| Daueraufträge übertragen | ja | — |
| Zahlungspartner informieren | ja | — |
| Restguthaben übertragen | auf Wunsch | — |
| Altes Konto kündigen | auf Wunsch | — |
| Zahlungsdienste (PayPal, Klarna) | nein | selbst ändern |
| Abos mit hinterlegter Karte | nein | Kartendaten neu hinterlegen |
| Steuer-Identifikation beim Finanzamt | nein | bei Erstattungen melden |
| Freistellungsauftrag | nein | neu erteilen |
Der häufigste Stolperstein sind Abos mit hinterlegter Kartennummer — Streaming, Cloud-Speicher, App-Stores. Diese laufen nicht über die IBAN, sondern über die Kartendaten und werden deshalb vom Kontowechselservice nicht erfasst. Gehen Sie Ihre Kontoauszüge der letzten zwölf Monate durch, bevor Sie das alte Konto schließen.
Wann sollte ich das alte Konto schließen?
Nicht sofort — lassen Sie es zwei bis drei Monate parallel laufen. So fangen Sie Zahlungen ab, die noch auf die alte IBAN gehen, und behalten den Überblick über Abbuchungen, die niemand umgestellt hat. Prüfen Sie in dieser Zeit regelmäßig die Umsätze auf dem alten Konto. Erst wenn dort drei Monate lang nichts mehr passiert, ist die Kündigung sicher. Achten Sie darauf, dass das alte Konto in dieser Zeit ausgeglichen bleibt — ein vergessener Dispo kostet Zinsen.
Was kostet ein Kontowechsel?
Nichts. Die Kündigung eines Girokontos ist gesetzlich gebührenfrei und jederzeit fristlos möglich, der Kontowechselservice ebenfalls. Im Gegenteil: Viele Banken zahlen für den Wechsel eine Prämie — zuletzt lagen Angebote zwischen 50 und 120 Euro. Welche Bedingungen daran hängen, erklären wir unter Girokonto mit Prämie.
Vor dem Wechsel vergleichen
Ein Wechsel lohnt sich nur, wenn das neue Konto dauerhaft besser passt. Der Rechner zeigt die aktuellen Konditionen.
Wann lohnt sich ein Wechsel wirklich?
Rechnen Sie nüchtern. Ein Wechsel lohnt sich, wenn mindestens einer dieser Punkte zutrifft:
- Sie zahlen Kontoführungsgebühren, obwohl Sie ein kostenloses Konto bekommen könnten — das sind schnell 50 bis 180 Euro im Jahr.
- Sie nutzen den Dispo regelmäßig und zahlen über 10 Prozent. Zwischen 7,49 und 13,15 Prozent liegen bei 2.000 Euro Überziehung über 110 Euro Zinsunterschied im Jahr.
- Sie reisen viel und zahlen 1,75 bis 2,20 Prozent Fremdwährungsentgelt, obwohl mehrere Banken darauf verzichten.
- Sie halten größere Guthaben auf einem unverzinsten Konto, während der EZB-Einlagensatz bei 2,25 Prozent liegt.
Nicht lohnend ist ein Wechsel dagegen, wenn Sie ihn allein wegen einer einmaligen Prämie machen und das neue Konto laufend teurer ist. Eine Prämie von 100 Euro ist nach 20 Monaten aufgezehrt, wenn das neue Konto 5 Euro monatlich mehr kostet.
Was ändert sich beim Zahlungsverkehr nach dem Kontowechsel?
Seit dem 9. Oktober 2025 sind alle Banken im Euroraum verpflichtet, Echtzeitüberweisungen zu senden und zu empfangen — zum Preis einer normalen SEPA-Überweisung. Ihr neues Konto kann das also in jedem Fall. Ebenfalls neu ist die Empfängerüberprüfung: Vor jeder Freigabe gleicht die Bank ab, ob der Empfängername zur IBAN passt. Beim Wechsel bedeutet das: Achten Sie darauf, dass Ihr Name bei den Zahlungspartnern korrekt hinterlegt ist, sonst häufen sich Warnmeldungen.
Welche Fristen gelten beim Girokonto-Wechsel?
| Zeitpunkt | Was passiert | Ihr Aufwand |
|---|---|---|
| Tag 1 | Konto online eröffnen, Video-Ident | 10 bis 15 Minuten |
| Tag 1 bis 2 | IBAN wird bereitgestellt | keiner |
| Tag 3 bis 7 | Karten und Zugangsdaten per Post | keiner |
| nach Erhalt | Kontowechselservice beauftragen | 5 Minuten |
| bis Tag 12 danach | gesetzliche Frist für den Umzug | keiner |
| parallel | Abos und Zahlungsdienste umstellen | 30 bis 60 Minuten |
| nach 2 bis 3 Monaten | altes Konto kündigen | 5 Minuten |
Der tatsächliche Aufwand summiert sich auf etwa eineinhalb Stunden, verteilt über zwei bis drei Monate. Gemessen an einer Ersparnis von häufig über 100 Euro im Jahr ist das ein gutes Verhältnis.
Was tun, wenn nach dem Kontowechsel Lastschriften auf das alte Konto gehen?
Trotz Kontowechselservice kommt es vor, dass einzelne Lastschriften noch auf das alte Konto gehen. Das ist unproblematisch, solange dort Deckung besteht — deshalb der Rat zum Parallelbetrieb. Wird eine Lastschrift mangels Deckung zurückgegeben, entstehen Rücklastschriftgebühren, die je nach Gläubiger drei bis zehn Euro betragen können.
Vorbeugen lässt sich das so: Lassen Sie auf dem alten Konto während der Übergangszeit einen Puffer von ein bis zwei Hundert Euro liegen und prüfen Sie die Umsätze wöchentlich. Sobald drei Monate lang keine Buchung mehr erfolgt ist, können Sie sicher kündigen.
Wie kündigt man ein Girokonto richtig?
Ein Girokonto ist gesetzlich jederzeit fristlos kündbar, eine Begründung ist nicht nötig. Die Kündigung sollte schriftlich erfolgen — per Brief oder über das Onlinebanking, sofern die Bank das anbietet. Wichtig sind drei Punkte:
- Restsaldo ausgleichen. Ein negativer Saldo verhindert die Schließung.
- Restguthaben-Ziel angeben. Nennen Sie die IBAN, auf die ein verbleibendes Guthaben überwiesen werden soll.
- Bestätigung aufbewahren. Die Schließungsbestätigung ist der Nachweis, dass keine weiteren Gebühren anfallen.
Beauftragen Sie den Kontowechselservice, übernimmt die neue Bank die Kündigung auf Wunsch mit — Sie müssen dann nichts selbst schreiben.
Wechseln mit Dispo — was ist zu beachten?
Ein genutzter Dispo muss vor der Kontoschließung ausgeglichen werden. Das ist der häufigste Grund, warum ein Wechsel scheitert oder sich verzögert. Die neue Bank räumt einen Dispo erst nach Bonitätsprüfung ein, und das nicht zwingend in derselben Höhe. Wer dauerhaft im Minus ist, sollte den Wechsel deshalb sorgfältig planen: erst neues Konto eröffnen und Dispo beantragen, dann den alten ausgleichen, dann kündigen. Alternativ kann eine Umschuldung in einen Ratenkredit sinnvoller sein — mehr dazu unter Dispozinsen im Vergleich.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Kontowechsel?
Maximal zwölf Geschäftstage — das ist im Zahlungskontengesetz festgeschrieben. Die Kontoeröffnung selbst dauert online meist 10 bis 15 Minuten inklusive Videolegitimation.
Was kostet ein Kontowechsel?
Nichts. Kündigung und Kontowechselservice sind gesetzlich gebührenfrei. Viele Banken zahlen sogar eine Wechselprämie, zuletzt zwischen 50 und 120 Euro.
Was macht der Kontowechselservice genau?
Die neue Bank holt die Liste aller Daueraufträge und Lastschriften der letzten 13 Monate ein, richtet Daueraufträge neu ein, informiert Zahlungspartner über die neue IBAN und überträgt auf Wunsch das Restguthaben. Auf Wunsch kündigt sie auch das alte Konto.
Was muss ich beim Girokonto-Wechsel selbst umstellen?
Zahlungsdienste wie PayPal oder Klarna, Abos mit hinterlegter Kartennummer wie Streaming oder App-Stores, den Freistellungsauftrag sowie die Kontoverbindung beim Finanzamt für Erstattungen. Diese laufen nicht über die IBAN und werden deshalb nicht automatisch umgestellt.
Wann sollte ich das alte Konto kündigen?
Erst nach zwei bis drei Monaten Parallelbetrieb. So fangen Sie Zahlungen ab, die noch auf die alte IBAN laufen. Achten Sie darauf, dass das alte Konto in dieser Zeit ausgeglichen bleibt.
Kann ich mein Girokonto jederzeit kündigen?
Ja, ein Girokonto ist gesetzlich jederzeit fristlos und gebührenfrei kündbar. Eine Begründung ist nicht nötig. Offene Salden müssen allerdings ausgeglichen werden.
Lohnt sich ein Wechsel nur wegen der Prämie?
Selten. Eine einmalige Prämie von 100 Euro ist nach 20 Monaten aufgezehrt, wenn das neue Konto monatlich 5 Euro mehr kostet. Entscheidend sind die laufenden Konditionen, nicht der Einmalbetrag.
Wie viel Aufwand ist ein Kontowechsel wirklich?
Etwa eineinhalb Stunden, verteilt über zwei bis drei Monate: 15 Minuten Kontoeröffnung, 5 Minuten Wechselservice beauftragen, 30 bis 60 Minuten für Abos und Zahlungsdienste, 5 Minuten Kündigung. Gemessen an oft über 100 Euro Ersparnis im Jahr ein gutes Verhältnis.
Was passiert, wenn eine Lastschrift auf das alte Konto geht?
Unproblematisch, solange dort Deckung besteht. Bei Rückgabe mangels Deckung fallen Rücklastschriftgebühren von drei bis zehn Euro an. Lassen Sie deshalb während der Übergangszeit einen Puffer auf dem alten Konto.
Kann ich mit genutztem Dispo wechseln?
Ja, aber der Dispo muss vor der Kontoschließung ausgeglichen werden. Planen Sie die Reihenfolge: erst neues Konto eröffnen und Dispo beantragen, dann das alte ausgleichen, dann kündigen. Bei dauerhafter Nutzung kann eine Umschuldung sinnvoller sein.